Einberufung und die Zeit als „Soldat“

Ich galt ab dem 1. April 2007 als Soldat, nachdem ich 2006 ohne Untersuchung tauglich gesprochen wurde (siehe Musterung). Hier sind die Abläufe bis zu meiner Arrestierung zu lesen.


Inhalt
Einberufung (März 2007)
Flucht (April und Mai 2007)
Konfrontation (15. Mai 2007, Nachmittag)
In Gewahrsam (15. Mai 2007, Abend)
Heeresfliegerstaffel 269 (15/16. Mai 2007)
Vernehmung (16. Mai 2007, Vormittag)
Untersuchungshaft (16. Mai 2007, Mittag)
Ermittlungsrichter (16. Mai 2007, Nachmittag)
Wochenende in Freiheit (16. bis 20. Mai 2007)
Bekanntschaft mit den Kasernenhöchsten (21. Mai 2007)
Arrestvorbereitungen (23. Mai 2007)


Einberufung

(März 2007)

Zunächst erreichte mich im Frühjahr 2007 die Einberufungsplanung, wo mir mitgeteilt wurde, dass man plane, mich zum 1. April oder zum 1. Juli einzuziehen.

Mitte März kam die Einberufung: ich sollte am 2. April 2007 den Grundwehrdienst in Roth bei der Heeresfliegerstaffel 269 antreten. Daraufhin verfasste ich einen Brief an das Kreiswehrersatzamt und die Einheit in Roth.


Einberufung

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Einstellung hat sich seit der Musterung nicht geändert und ich bin nach wie vor gegen Gewalt, Militär und Zwangsdienste. Mein Gewissen verbietet mir, den Grundwehrdienst anzutreten.

Ich bitte Sie als Menschen um Entschuldigung für die zusätzlichen Mühen, die Sie dadurch haben werden.

Mit freundlichen Grüßen

Jonas Friedemann Grote

Ich hatte nicht bedacht, dass es nicht reichen würde, nur auf die Musterung zu verweisen. Es wurde erneut ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung für mich gestellt. Ansonsten kam keine Antwort.


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Flucht

(April und Mai 2007)

Am 30. März zog ich aus meinem Zimmer im Studentenwohnheim aus. Ich wusste ja, dass ich gesucht werden würde, und um nicht so leicht gefunden zu werden wollte ich sowieso nicht zuhause bleiben, also warum dann noch Miete zahlen? Am 2. April rief mich jemand aus Roth an, um zu hören, wo ich geblieben sei. Ich erklärte ihm die Lage und fuhr zwei Tage später zu meinen Großeltern, in der Annahme, es würde bald bei meinen Eltern Besuch von den Feldjägern geben (was lange erstmal nicht der Fall war).

Da ich in Karlsruhe noch Verpflichtungen als Musiker hatte, fuhr ich irgendwann recht spontan zu einer kurzfristig angekündigten Probe dorthin zurück. Ich wohnte dort dann bei einem Freund.

Irgendwann traf ich mich mit der örtlichen Vertretung der DFG-VK, um zu planen, wie ich mich stellen sollte, um die Flucht zu beenden. Zu dieser Zeit war schon etwa ein Monat um und die Feldjäger waren bei meinen Eltern in Minden und bei meinem Studentenwohnheim gewesen, sowie an der Universität gesichtet worden. Die erste Info-Vorlesung hatte ich gehört, aber es war mir zu unangenehm, jederzeit damit rechnen zu müssen, dass jemand hereinkommen und mich mitnehmen würde. Wir wählten den 15. Mai als Termin für die Aktion.

Kurz vorher reiste ich noch nach Nürnberg, um einige Leute aus der Nähe von Roth kennenzulernen. Über die DFG-VK in Karlsruhe kam ich so an das Friedensmuseum Nürnberg, wo ich an einem interessanten Informationsabend zum Thema „G8“ teilnahm und einige Unterstützer fand.


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Konfrontation

(15. Mai 2007, Nachmittag)

Dass es der 15. Mai sein sollte, war bald klar, als Tag der internationalen Kriegsdienstverweigerung ideal für eine öffentlichkeitswirksame Aktion. Zunächst dachte ich, wir könnten eine Mahnwache auf dem Marktplatz machen und dazu Presse und Feldjäger einladen. Dort hätte allerdings die Möglichkeit bestanden, dass letztere nicht auftauchen würden. Mit der Idee, mich an ein Kasernentor zu ketten, war eine Aktion des zivilen Ungehorsam gefunden, die die Presse nicht langweilen und die Bundeswehr zum handeln bringen würde.

Einige lokale Friedensaktivisten und Freunde von mir waren also nebst der Presse dabei, als die Aktion begann. Ich spazierte mit einem Helfer getrennt von der Gruppe auf die General-Kammhuber-Kaserne in Karlsruhe zu, und war schnell mit einer Kette und einem Fahrradschloss an das gerade geöffnete Tor gefesselt. Ein Wächter beschwerte sich, ich erklärte ihm, was los war, und er zog sich zurück.

Die Demonstranten gesellten sich vor die Kaserne und warteten mit mir, Transparente und Plakate haltend. Nach einigen Minuten kam eine Polizeistreife, die relativ hilflos aussah und nichts unternahm. Da Karlsruhe keine eigene Militärpolizei hat und angeblich Stau auf der Autobahn war, dauerte es etwa eineinhalb Stunden, bis ein Streifenwagen aus Bruchsal eintraf.

Zwei der drei Soldaten gingen, um sich mit Polizei und Wachpersonal zu unterhalten, danach kam der Ranghöchste von den Feldjägern zu mir, um sich mit mir zu unterhalten. Da alles erreicht war, was ich erreichen wollte, ließ ich die Schlösser öffnen, und ging mit.


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In Gewahrsam

(15. Mai 2007, Abend)

Ich sprach auch während der Fahrt noch mit dem Soldaten, der sehr freundlich war. Er verstand das Verhalten der Bundeswehr in meinem Fall auch nicht. Mir wurde gesagt, ich müsste jetzt zu „meinem“ Disziplinarvorgesetzten gebracht werden, wo weiteres geklärt werden könnte. Ich würde ganz normal behandelt werden und zunächst in einem Aufenthaltsraum auf eine Einheit aus Roth warten, die mich dann dorthin bringen würde.

Auf der Feldjägerwache angekommen stellte sich heraus, dass der Soldat es vielleicht gerne so friedlich und freundlich gehabt hätte, aber nicht alle Menschen sind noch Menschen, wenn sie in Soldatenuniform sind. Mein zunächst positives Bild wurde von den anderen Feldjägern ziemlich getrübt. Häufig war an dem unfreundlichen Verhalten auch Unsicherheit schuld, wie mir später bewusst wurde, als sie mir häufiger begegnete.

Alles, was ich bei mir hatte, wurde aufgeschrieben und mir abgenommen. Dann wurde in den „Aufenthaltsraum“ geschickt – mit Gittern vorm Fenster und einer Tür, die sich nur von außen öffnen ließ. Ich bekam mein Mobiltelefon zurück, als ich mich darauf berief, dass mir vorher gesagt wurde, ich könnte es behalten. Im Laufe des Abends ging ich einmal mit zwei Soldaten an die frische Luft, aber es war recht kalt und die Männer sehr unkommunikativ, so ging ich bald wieder hinein.


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Heeresfliegerstaffel 269

(15/16. Mai 2007)

Später kam das Auto aus Roth. Die Soldaten waren ebenfalls absolut nicht gesprächig. Gegen zwei Uhr erreichten wir die Otto-Lilienthal-Kaserne und ich bekam einen Schlafplatz im „UvD“-Büro (UvD bedeutet „Unteroffizier vom Dienst“). Ich legte mich für drei Stunden schlafen, denn um fünf Uhr durfte ich wieder aufstehen.

Zum Frühstück beschränkte ich mich auf einen Apfel. Danach saß ich mehrere Stunden im UvD-Büro herum, bis ich von dem Staffelchef verhört werden konnte. In der Zeit unterhielt ich mich mit den Soldaten.

Zum Beispiel mit einer Frau, die zu dieser Zeit GvD (Gefreiter vom Dienst) war, aus Not zur Bundeswehr gegangen war, da sie die Schule zu sehr hatte schleifen lassen und jetzt dort eine Ausbildung machen könne; einem Soldaten, der mir unterstellte, ich hätte Angst davor, an meine körperlichen Grenzen geführt zu werden, aber nichts mehr sagte, als ich ihm erklärte, dass ich dafür selbst Sport treiben könne und keine mehr oder weniger intelligenten Vorgesetzten bräuchte, die mir Befehle geben; und einem Grundwehrdienstleistendem, der den Wehrdienst nicht so schlimm findet und deswegen eben macht.


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Vernehmung

(16. Mai 2007, Vormittag)

Gegen 9:30 Uhr wurde ich von „meinem“ Disziplinarvorgesetzten vernommen, warum ich so lange eigenmächtig abwesend war und den Gehorsam verweigert hatte. Er protokollierte alles, was ich sagte, stellte aber auch zwischendurch außerhalb des Protokolls Verständnisfragen aus persönlicher Motivation, was ich gut fand.

Das Protokoll habe ich ab „Ich will aussagen: Ja“ so abgetippt, wie es auf meiner Ausfertigung steht, unwesentliches Ende mit letzten Formalien weglassend. Dass es teilweise so unglaublich durcheinander ist, liegt daran, dass der arme Soldat, der das getippt hat, etwas überfordert mit meiner Sprechgeschwindigkeit war und nicht das Zehnfingerschreibsystem beherrschte. Ihm sei vergeben (was die Sachen angeht, die ich so nicht gesagt habe), das, was ich tatsächlich geäußert habe, wird hoffentlich herauszulesen sein:

Niederschrift über die Vernehmung eines Soldaten

(Gegenwärtig: Vernehmender, Protokollführer mit jeweils Dienstgrad und Name)

(Auf Befehl erscheint: Flg Jonas Friedemann Grote…)

(einiges zur Person)

Zur Sache:

Dem Soldaten wurde bei Beginn der Vernehmung eröffnet, welche Pflichtverletzungen ihm zur Last gelegt werden

Er wurde gleichzeitig darauf hingewiesen, dass es ihm freistehe, sich zur Sache zu äußern oder nicht auszusagen. Er wurde darüber belehrt, dass er nach § 13 Abs 1 SG und § 32 Abs 4 WDO verpflichtet ist, in dienstlichen Angelegenheiten die Wahrheit zu sagen, wenn er eine Erklärung abgibt.

Er erklärt: Ich will aussagen:
Ja.

Vernehmung wegen mit Schreiben vom 19.03.2007 (Posteingang Einheit 21.03.2007) angekündigter Fahnenflucht. Wegen in Telefonat am 03.04.2007 bestätigter Absicht zur Fahnenflucht und der Gehorsamsverweigerung auf den Befehl der Einberufung durch KWEA und Dienstantritt durch stvStffKpt HFlgStff 269 am 03.04.2007. Aufgegriffen am 15.05.2007 um 1845 Uhr durch FJDstKdo Bruchsal in Karlsruhe (Feldjägersofortmeldung).


Zur Sache:
Ich kann dazu nur sagen, dasss ich es vorher angekündigt habe, weil ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann ein solchen Dienst freiwillig anzutreten. Ich berufe mich dabei auf meine elementaren Grundrechte - die Freiheit der Unverletzlichkeit des Glaubens und des Gewissens, Art 4 Abs. 1 GG. Als weiteres habe ich in den Schreiben die ich vorher zur Musterungszeit geschrieben habe alles begründet.
Auf Vorhalt vom 19.03.2007: Größenteils war ich mir der rechtlichen Aspekte meiner Absicht bewusst. Es ging mir im wesentlichen auch darum, meine Gegenseite wissen zu lassen was ich vorhabe. Ich wollte nicht einfach fern bleiben. Dafür und für meine Gewissensentscheidung bin ich auch bereit die Möglichkeit einer Vorstrafe in Kauf zu nehmen.
Auf Vorhalt Aktenvermerk vom 04.04.2007: Ich habe damals die Aufforderung zum Dienstantritt am Dienstort und die mir aufgezeigten rechtlichen Aspekte verstanden.
Auf Nachfrage zu den Geschehnissen am 15.05.2006: Zum Einen wollte ich mich gestern stellen und das Ganze möglichst Pressewirksam machen, damit das Ganze in die Öffentlichkeit kommt und ich somit nochmal auf die Probleme mit der Wehrpflicht aufmerksam machen kann. Das war der Grund weswegen ich mich an das Kasernentor gekettet hatte.
Weitere Nachfrage: Ich wollte die Fahnenflucht beenden. Wenn ich nicht aufgegriffen worden wäre, hätte ich vielleicht noch eine weitere Aktion unternommen bzw. wäre hier nach Roth gekommen um das Ganze zu beenden.
Weitere Nachfrage: Wenn ich jetzt nach Hause gehen dürfte, könnte ich nicht versprechen, dass ich am Sonntag abend wieder hier wäre. Ich müsste mir überlegen ob ich freiwillig wieder hierher komme. Es ginge ja dann wieder von vorne los und insofern denke ich, dass es nicht sinnvoll wäre wieder zu kommen. Ich will ja auch irgendwann mal weiterstudieren. Andererseits müsste ich mir überlegen ob ich wiederkomme, ansonsten würden die Feldjäger mich wieder suchen. Es wäre sowieso die Frage was ich dann hier mache. (Zwischenfrage): Ich denke nicht, dass ich mir eine Uniform anziehen werde oder marschieren würde oder sonst iregndetwas Militärisches ... weil es eben nicht mit meinem Gewissen zu vereinbaren ist.
Auf Vorhalt Haar und Barterlass: Ich zähle den Befehl mir die Haare schneiden zu lassen zu den Befehlen denen ich nicht nachkommen würde. (Zwischenfrage): Ich wüsste von mir aus keinen Befehl dem ich nachkommen würde. Ich könnte mir eigentlich auch keinen vorstellen, weil ich ja mit Allem den militärischen Dienst hier in der Kaserne unterstützen würde.
Auf Nachfrage Wohnort: Ich würde mir zuzustellende Post an die Adresse meiner Eltern zustellen lassen - Wintgensstraße 17, 32425 Minden. (Zwischenfrage): Ich habe zur Zeit keine persönliche Heimatadresse. (Zwischenfrage): Ich bin noch mit einem Wohnsitz in Deutschland gemeldet. ich bin noch nicht dazu gekommen mich in Karlsruhe Tennesseeallee abzumelden und ich hätte mich bei meinen Eltern wieder gemeldet wenn ich es zeitlich geschafft hätte.
Nachfrage auf Vorhalt Internetrecherche: Die Inhalte die in den Internetbeiträgen stehen sind soweit auch noch meine persönliche Meinung - soweit ich es noch nicht überarbeitet habe. Es kann sein, dass ich an der ein oder anderen Stelle eine etwas andere Begründung geben würde - ich anders argumentieren würde.. Die Veröffentlichung in den Forum war nicht so sehr glücklich, weil es zunächst als Rundbrief an Bekannte gedacht war und ich erst dann auf die Idee gekommen bin, es so in die Öffentlichkeit zu bringen. Es ist mir erst später aufgefallen, das dieses Forum nicht speziell genug für meine Aussagen war, weil es zum Teil den Eindruck eweckt hat ich wolle mich zum Märtyrer machen, was nicht stimmt.
Nachfrage zu den Erwartungen: Ich habe mich mit dem HF der freundliche Feldjäger vom Vortag unterhalten und er meinte es würde sich unter Umständen ein Weg finden, wie man von der Wehrpflicht befreit wird mit meinen Gewissensentscheidung. Vorher dachte ich es würde so laufen wie in anderen Fällen, bei denen Arrest ausgesprochen wurde oder jemand krank zu Hause geschrieben wurde, oder das man von der Bundeswehr psychisch krank geschrieben wird und ausgemustert oder entlassen wird.
Abschließende Nachfrage: Ich wüsste jetzt nichts mehr was man noch sagen sollte. Ich denke wenn ich über das Wochenende nachdenke würde ich auch am Sonntag wiederkommen, wenn das gegenwärtig noch von Interesse ist


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Untersuchungshaft

(16. Mai 2007, Mittag)

Etwa eine Stunde nach der Vernehmung war die Polizei da, die mich ebenfalls vernehmen wollte, wir verwiesen aber dann lediglich auf das Protokoll von der Vernahme vorher. Nach ihrer Einschätzung bestand Fluchtgefahr, sie mussten mich mitnehmen, da ich keinen festen Wohnsitz hatte.

Ich wurde zunächst mit auf die Polizeiwache in Roth genommen, musste alle Gegenstände, die ich bei mir hatte, nebst Schuhen abgeben und wurde für etwa eine Stunde in eine Untersuchungshaftzelle gesetzt. Diese war im Untergeschoss, der Geruch und das Licht war unangenehm. Es gab ein „Bett“ mit leichter Decke, ein Klo, und einen stuhlähnlichen Klotz. Alles harte war ziemlich unbeweglich.

Ich wusste nicht, wie lange ich dort warten sollte, aber bald fuhr mich die Polizei nach Nürnberg zum Amtsgericht. Währenddessen hatte ich auch wieder alle meine Sachen (und konnte sogar telefonieren, irgendein Reporter rief mich an und war sehr erstaunt darüber, dass das so ginge), unterhielt mich recht gut mit den Polizisten.

Im Amtsgericht angekommen fühlte ich mich wirklich wie ein Verbrecher, und durfte wiederum etwa zwei Stunden in einer schäbigen Zelle warten – natürlich ohne mein Eigentum. Diese war dann noch spärlicher ausgerüstet, eine Holzbank, ein Klo ohne Brille. An den Wänden Schmierereien. Hier hatte ich jedoch ein Fenster, aus dem ich herausgucken konnte. Links war eine hohe Mauer, rechts scheinbar ein Auslauf (Sportplatzähnlich, extra umzäunt) für die Bewohner einer Justizvollzugsanstalt, wo dann auch Leute circa eine Stunde lang spazieren und laufen gingen. Ich war ziemlich müde und hungrig, versuchte zu schlafen, erfolglos. Gelegentlich kamen noch ein anderer in „meine“ Zelle, jemand, der auf Entzug war und dem es ziemlich mies ging.


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Ermittlungsrichter

(16. Mai 2007, Nachmittag)

Als ich zum Richter kam, sagte er mir von vornherein, dass er mich nicht einsperren wollen würde. Wir unterhielten uns etwas über die gesamte Situation und fassten einen Beschluss, um den Haftbefehl erstmal außer Vollzug zu setzen. Ich sollte zu meinen Eltern und dort wohnen, dafür Sorgen, dass mich Schreiben vom Gericht erreichen, Bescheid sagen, falls wir umziehen würden und mich samstäglich bei der Polizeiinspektion in Minden melden.

Davon ausgehend, dass ich jetzt zurück nach Roth müsste, verließ ich den Gerichtsraum, bekam meine Sachen wieder und fragte den Polizisten, was jetzt los wäre. Überraschenderweise bekam ich die Nachricht, dass ich bloß bis 23 Uhr am nächsten Sonntag wieder in der Kaserne sein sollte.


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Wochenende in Freiheit

(16. bis 20. Mai 2007)

Ich traf mich noch kurz mit einer Unterstützerin, fuhr dann nach Karlsruhe, holte einige Sachen ab und war am Freitag in Minden. Am Samstag bei der Polizeiinspektion war alles sachlich, ich wurde nur gefragt, wie lange ich mich dort melden solle. Am Sonntag fuhr ich wieder zur Kaserne in Roth – schließlich wollte ich es zum Ende bringen –, die Bahn hatte etwas Verspätung, so kam ich später als 23 Uhr an. Aber das war kein Problem.


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Bekanntschaft mit den Kasernenhöchsten

(21. Mai 2007)

Ich durfte wieder im UvD-Büro schlafen und den nächsten Tag früh (wieder um fünf Uhr) aufstehen. Nach dem Frühstück, was bei mir aus einem Apfel bestand, saß ich untätig in diesem UvD-Zimmer herum, stand dann, nachdem irgendjemand sagte, ich solle dort warten, auf dem Gang und hoffte darauf, dass mir jemand sagen würde, was nun passieren sollte. Ich unterhielt mich mit einigen, auch älteren Soldaten, die häufig behaupteten, ich würde sie bestimmt bald wieder verlassen können. Gegen neun Uhr wurde ich dann in das Zimmer des StffTrpFhr (Staffeltruppenführers?) gebeten und saß da herum, machte meine ersten Aufzeichnungen, unterhielt mich weiter mit unterschiedlichen Leuten.

Nachmittags lief ich mit jemandem in ein anderes Gebäude, um mich mit einem Oberst zu unterhalten. Das Gebäude war mir recht unangenehm. Der Oberst konnte mich auch nicht umstimmen, eine andere Alternative als Zivildienst zu leisten, und damit die Wehrpflicht zu erfüllen, hatte er auch nicht. Den Rest des Tages saß ich wieder beim UvD und tat nicht viel, verweigerte die Nahrungsaufnahme aus Protest gegen den Umstand, dass ich so lange dort festgehalten wurde. Ich ging gegen 21:30 Uhr schlafen.

Den nächsten Tag, den 22. Mai 2007, stand ich erst um sieben Uhr auf und aß ein Frühstück, was mir gebracht wurde. Hätte ich es nicht gegessen, wäre es vermutlich weggeworfen worden, was ich nicht verantworten wollte. Zu Mittag aß ich nichts mehr. Nachmittags bekam ich von einem Oberstleutnant meine Disziplinarmaßnahme eröffnet. Der Disziplinararrest von 21 Tagen hatte die Zustimmung vom Truppendienstgericht bekommen und ich sollte den Arrest am nächsten Tag frühestens um 10:00 Uhr antreten. Mir wurde erneut geraten, doch in Zukunft einen für mich leichteren Weg zu gehen…

Direkt danach unterhielt ich mich noch einmal mit „meinem“ Disziplinarvorgesetzten, der mich sehr ermutigte. Mir wurde bewusst, dass viele Menschen einfach egoistisch sind und deshalb nichts gegen bestehende Ungerechtigkeit unternehmen, solange es sie nicht berührt, obwohl sie vieles auch nicht in Ordnung finden. Den Abend ging ich etwa um 21:20 Uhr schlafen, nachdem ich noch einige Kurzmitteilungen an Freunde geschrieben hatte und in einem Buch „Grundgesetz für Soldaten“ die Grenzen der Bundesländer anhand einer Deutschlandkarte auswendig gelernt hatte (die Motorsport- und Pornozeitschriften der Soldaten interessierten mich weniger).


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Arrestvorbereitungen

(23. Mai 2007)

Am 23. Mai stand ich wieder gegen 7 Uhr auf. Ich wurde einige Stunden später zu einer Ärztin gebracht, der ich sagte, dass ich gesund sei. Ich ließ mich nicht untersuchen. Aufgrund der Nahrungsaufnahmeverweigerung wurde mir angedroht, in die „geschlossene Anstalt“ nach Erlangen gebracht zu werden, was mich nicht sonderlich berührte. Sonst saß ich wieder die meiste Zeit im UvD-Büro und unterhielt mich mit verschiedenen Soldaten. Gegen 14:40 Uhr wurde ich von dem sogenannten „Spieß“ (Kompanie- bzw. Staffelfeldwebel) abgeholt und mit meinen Sachen vorne an die Wache gefahren. Der stellvertretende Vollzugsleiter hat mir einige Sachen zum Arrest erzählt, nach einem Besuch bei der „Küche“ (Speisesaal bzw. Kantine) mit einigen von der Wache ging es dann in die Zelle, ab diesem Zeitpunkt (etwa 16:40 Uhr) ohne Uhr, weil es im Mannschaftsheim nichts vernünftiges gab und ich mein Mobiltelefon nicht bei mir behalten durfte.

Auf der Seite Arrest ist dann zusammengetragen, wie dieser ablief.


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Ebene höher: Wehrpflicht

Zuletzt bearbeitet: Fri Jun 5 16:20:07 2009.