Erfahrungen aus der Arrestzeit

Leider noch nicht fertig geschrieben.

42 Tage Disziplinararrest bei der Bundeswehr, vom 23. Mai bis zum 3. Juli 2007.

Kursiv geschrieben sind Abschriften meiner „Tagebuch“-Einträge.


Inhalt
Tag 1, Ankunft in den Räumlichkeiten (23. Mai 2007, Mittwoch)
Beschwerde gegen die Disziplinarmaßnahme (nach 20:00 Uhr)


Tag 1, Ankunft in den Räumlichkeiten

(23. Mai 2007, Mittwoch)

Nach den Arrestvorbereitungen war es dann so weit (etwa 16:40 Uhr).

Jetzt sitze ich in der Zelle, um 20 Uhr darf ich Nachrichten gucken. Ich denke ich werde mal aufs Klo gehen und mich dann vielleicht mal waschen (richtig gewaschen hab ich mich ja jetzt seit Sonntag nicht mehr).

Etwa fünf Minuten später

auf waschen hab ich keine Lust, will nicht möglicherweise durchs Guckloch beobachtet werden, außerdem hab ich kein richtiges Handtuch.

Vorhanden waren nur Papierhandtücher in dem etwa neun Quadratmeter großen Raum. Die Ausstattung bestand ansonsten in Bett, Tisch, Stuhl, Toilette (und Toilettenpapier) und Waschbecken.

Ich wurde gelegentlich vom OvWa (Offizier vom Wachdienst) besucht, der mich zum Essen überreden wollte. So nach 50 Minuten:

„Wenn Sie schon nicht essen, trinken Sie wenigstens anständig“

Ich machte mir irgendwann eine Liste von Fragen, für Dinge, die ich gebrauchen könnte.

Gespräch mit Pastor, Vertrauensperson?
Telefonat mit Wehrbeauftragtem, sonst Brief? -> Briefumschlag/Marke?.
Vernünftiger Kuli?
(der, der mir erlaubt worden war, war nicht mehr ganz heile)
Evtl. irgendwo Bücher ausleihen? Bücher, die ich haben darf? (GG, etc.)
Richtiges Handtuch?

Nach etwa 80 Minuten, in denen ich noch die Bibel, die ich zur Verfügung hatte, beguckt hatte, kam wieder „der Mensch da“ herein und bat mich, das Fenster zu öffnen, was ich wohl tat. Dann eröffnete ich die Fragen und bekam sie entsprechend beantwortet. Pizza wollte ich keine. Er erzählte mir, nach zwei Tagen ohne Nahrungsaufnahme würde es kritisch für Leber und Niere (stimmt allerdings nicht, das gilt für zwei Tage ohne Flüssigkeit), und ich würde damit den Wachhabenden große Probleme machen, wenn mir was passieren würde. Um ihn zu beruhigen, aß ich einen Apfel – nach etwa 36 Stunden des nicht-essens.


Zum Seitenanfang

Beschwerde gegen die Disziplinarmaßnahme

(nach 20:00 Uhr)

Um 20 Uhr schaute ich also die Nachrichten, und machte mir dann um 20:20 Uhr meine Gedanken dazu. Knapp 15 Minuten später schrieb ich meine Beschwerde gegen den Arrest. Die Personenkennziffer ist obligatorisch…

Jonas Friedemann Grote
220287 G 21110
Heeresfliegerstaffel 269

3. Kammer des Truppendienstgerichts Süd
Mainzer Straße 39
56068 Koblenz

Betreff: Beschwerde gegen Disziplinarmaßnahme

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit lege ich Beschwerde gegen die Disziplinarmaßnahme vom 22.05.2007, nämlich den Disziplinararrest von 21 Tagen gegen mich, Jonas Friedemann Grote, aus folgenden Gründen ein:

Der Vollzug hat die Absicht, die Bereitschaft des Soldaten zu fördern, seine soldatischen Pflichten zu erfüllen.
Ich habe jederzeit, seit ich in Kontakt mit der Bundeswehr stehe, verdeutlicht, dass ich aus Gewissensgründen keinen militärischen Dienst unterstützen oder leisten kann.
Daher werde ich meine soldatischen Pflichten niemals erfüllen können, was bedeutet, dass der Vollzug – die Disziplinarmaßnahme – ohne Aussicht auf Erfolg verhängt bzw. ausgesprochen wurde.
Insofern empfinde ich die Maßnahme als unrechtmäßig.

Die Zustimmung zu dem Disziplinararrest des Truppendienstgerichts kann ich nur durch die Annahme unzureichender Kenntnis über meine bisherigen Äußerungen und Handlungen nachvollziehen. In der Hoffnung, dass Sie bei weiterer Überprüfung des Sachverhalts die Unzulässigkeit der Maßnahme erkennen,

mit freundlichen Grüßen

Jonas Friedemann Grote


Zum Seitenanfang



Ebene höher: Wehrpflicht

Zuletzt bearbeitet: Fri Jun 5 16:20:07 2009.